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Singapur und NUS

Singapur zählt heute zu den einflussreichsten und aufregendsten Metropolen Südostasiens. Ursprünglich noch ein Teil von Malaysia in den 1960er-Jahren, hat der Stadtstaat seit seiner Unabhängigkeit eine bemerkenswerte Entwicklung genommen und ist heute hinsichtlich seines ökonomischen, technologischen und sozialpolitischen Fortschritts weltweit anerkannt. Englisch gehört zu den offiziellen Landessprachen Singapurs. Andere Sprachkenntnisse, wie z.B. Malaiisch, Chinesisch oder Tamil, sind zwar im alltäglichen Leben manchmal hilfreich, jedoch keinesfalls erforderlich.

Als Singapurs Aushängeschild ist die National University of Singapore (NUS) im weltweiten Vergleich unter den 50 besten Hochschulen, sowohl in der Pharmazie als auch in der Gesamtwertung (Times Higher Education RankingQS World University Rankings). Sie konkurriert mit Hochschulen wie der Harvard University oder der University of Oxford um die Weltspitze. Nur drei deutsche Universitäten sind derzeit im globalen Vergleich ebenfalls unter den Top 50. Singapur ist daher nicht nur als Reiseziel, sondern auch als Ausbildungsstätte interessant und begehrt. 

Doktorandenausbildung

Die NUS bietet als einzige Hochschule in Singapur die Studiengänge Pharmazie und Pharmazeutische Wissenschaften  an. Zudem kann man sich dort auf einen Platz in der Graduiertenschule (=Doktorandenschule) der Pharmazie bewerben. Die hiesige Doktorandenausbildung folgt dem angloamerikanischen und nicht dem deutschen Vorbild. In Deutschland sind Doktoranden meist Angestellte der Hochschule oder Stipendiaten. Der wissenschaftliche Betreuer vergibt und betreut die Forschungsarbeit. Zusätzliche Aufgaben ergeben sich aus einer institutsspezifischen Mischung von Arbeitspflichten und Forschungsalltag. Die Graduiertenschulen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) haben dies an manchen Standorten durch ein entsprechendes Kursprogramm ergänzt. Die DFG reagierte damit auf den weltweiten Trend einer strukturierten Doktorandenausbildung. Manche Hochschulen bemühen sich ebenfalls, Kurse und Unterrichtseinheiten zu integrieren. Dies reduziert jedoch auch die Zeit der Doktoranden für die eigene Forschungsarbeit, weshalb die Umstellung oft nur sehr schleppend vorankommt.

Die Pharmazie an der NUS bietet eine strukturierte Graduiertenschule nach amerikanischem Vorbild. Doktoranden sind Studierende, die für einen erfolgreichen Abschluss Module und Prüfungen absolvieren. Man kann sich um Stipendien bewerben, welche die Kosten über vier Jahre absichern. Diese werden von der ausschreibenden Institution, nicht jedoch vom Betreuer vergeben. Obwohl der Betreuer immer noch großen Einfluss auf die Ausbildung hat, sichert dies eine gewisse Kontinuität (z.B. beim Weggang des Betreuers). Auch sind die Anforderungen der Promotion im Graduiertenprogramm festgelegt.

So dürfen Promovierende mit Stipendium einen gewissen Notenspiegel nicht unterschreiten, anderenfalls kann die Finanzierung entzogen werden. Dies geschieht schrittweise, wobei bei ungenügenden Leistungen zunächst eine Warnung ausgesprochen wird. In diesem Falle wird jedoch auch das Postgraduierten-Kommittee der Pharmazie aktiv und geht auf Promovierende zu, um zu ergründen, welche Probleme zur Verschlechterung der Noten geführt haben.

Neben den Modulen absolvieren Doktoranden zwei wichtige Examen, welche die Forschungsarbeit in die richtige Bahn lenken. Das erste Examen findet etwa ein Jahr nach Beginn der Doktorandenausbildung statt. Promovierende schlagen mit Hilfe des Betreuers einen Forschungsplan vor, mit welchem ein definiertes wissenschaftliches Problem gelöst werden soll. Dies wird durch eine Literaturrecherche sowie durch einige erste Vorarbeiten untermauert, die den Grundstein für die Doktorarbeit legen. Drei Prüfer aus unterschiedlichen Bereichen der Pharmazie (z.B. Biologie, Chemie, Pharmakologie) hinterfragen diesen Arbeitsplan in einem mündlichen Examen.

Nach zwei Jahren legen Promovierende das zweite Qualifikationsexamen ab, das für die Einreichung der Doktorarbeit qualifiziert. Hierbei wird der Zwischenstand der Forschung mit detailierter Erklärung der wissenschaftlichen Methoden und erreichten Ziele öffentlich vorgestellt. Wenigstens ein Fachexperte muss dem Kreis der Prüfer angehören. Der Betreuer der Doktorarbeit ist bei keiner dieser Prüfungen zugegen. So wird sichergestellt, dass Promovierende für die Fertigstellung der Doktorarbeit gewappnet sind. Nach erfolgreichem Abschluss des zweiten Examens wird zudem das Stipendium erhöht.

Bewerbung

Deutsche Studiengänge genießen auch international einen guten Ruf, trotzdem wirft die Entfremdung der Pharmazie von der heute typischen Struktur des Bachelor-Master-Systems einige wichtige Fragen auf, mit denen sich Kandidaten aus Deutschland befassen müssen. Das deutsche Staatsexamen koppelt den Notendurchschnitt nicht an die Unterrichtseinheiten des Grundstudiums. Die Noten der Staatsexamina sind also extrem wichtig und werden in wenigen mündlichen Prüfungen bestimmt. Die Noten einzelner Unterrichtseinheiten sind für die Endnote meist völlig irrelevant.

Während die englischsprachigen Hochschulen einen Vergleich innerhalb des Jahrgangs anstreben, vergleicht das deutsche Prüfungswesen gegen einen Prüfungskatalog. Man kann daher nicht zwingend davon ausgehen, dass Kandidaten mit der Note 1 zu den Besten ihres Jahrgangs gehören, jedoch trägt dieser Notenschnitt bedeutend zu einer erfolgreichen Bewerbung bei. Zusätzlich zu einer beglaubigten, englischen Übersetzung des Staatsexamen-Zeugnisses wird hierfür ein Äquivalenzschreiben benötigt, welches bestätigt, dass das Ergebnis der Staatsexamina einem Masterabschluss gleichzusetzen ist. Weiterhin wird ein Transkript der abgeschlossenen Kurse benötigt. Interessenten können diese vom zuständigen Dekanat ihrer jeweiligen Universität erfragen. Um sich für ein Stipendium zu qualifizieren müssen Kandidaten nachweisen, dass sie zu den Top-10% bzw. Top-5% einer großen Anzahl von Studierenden zählen. Den Nachweis erbringt man über:

  • Notenschnitt (Umrechnungstabellen zwischen dem amerikanischen “Grade Point Average (GPA))” und dem deutschen Notensystem finden sich hier).

  • Referenzschreiben

  • Akademische Vorleistungen (z.B. wissenschaftliche Publikation, Posterpräsentationen)

  • Einen standardisieren Eignungstest, die Graduate Record Examination (GRE)

  • Prüfung der Sprachkenntnisse (Diagnostic English Test)

 

Die akademischen Vorleistungen deutscher Kandidaten sind in der Pharmazie leider meist schlechter als die vergleichbarer Kandidaten aus anderen Ländern. Das liegt nicht an der Leistungsfähigkeit der Studierenden, das Pharmaziestudium in Deutschland gibt jedoch nicht viele Möglichkeiten zur unabhängigen Forschung. Top-Kandidaten aus Singapur, China oder Indien haben manchmal schon während ihrer Masterarbeit drei oder mehr wissenschaftliche Arbeiten als Erstautoren verfasst. Um sich für die Doktorarbeit an der NUS zu qualifizieren sind daher Forschungspraktika hilfreich, in welchen man mit etwas Glück eine Ko-Autorenschaft ergattern kann. Referenzschreiben werden üblicherweise von Hochschullehrern erstellt. Hier sollte man früh Kontakte an der eigenen Hochschule pflegen. Industrievertreter sind ebenfalls zulässig, jedoch darf nur eines von drei Referenzschreiben in diese Kategorie fallen. Die Referenzschreiben werden an der NUS über ein externes Portal eingereicht, d.h. der Verfasser muss das Schreiben selbst hochladen, um etwaige Manipulationen zu vermeiden.

Es wird hierbei gefragt wieviele andere Studierende zum Vergleich herangezogen wurden, um eine Topplatzierung zu begründen (z.B. Top-10% unter 500 Studierenden). Eine weitere wichtige Hürde ist die GRE. Es handelt sich hierbei nicht um einen Sprachtest, sondern tatsächlich um einen standardisierten kommerziellen Eignungstest, welcher analytische Leistungen prüft. Eine Mindestpunktzahl ist für das Graduiertenprogramm der NUS vorgeschrieben und man sollte Vorbereitungszeit einplanen, wenn man sich dafür anmeldet.

 

Internationale Studenten und somit auch Interessenten aus Deutschland werden nach Annahme an der NUS zudem auf ihre englischen Sprachkenntnisse geprüft. Im Diagnostic English Test (DET) wird entschieden, ob der Doktorand die nötige Kompetenz hat, oder einen obligatorischen Englischkurs belegen und bestehen muss. Die Englischkenntnisse deutscher Bewerber sind hier jedoch meist ausreichend.

Die Zugangskriterien werden detailierter auf der Website der NUS Pharmazie erläutert. Das Graduiertenprogramm beginnt im Semesterturnus, die Bewerbungsfristen sind der der 15. Mai für einen Beginn im Januar bzw. der 15. November für einen Beginn im August des folgenden Jahres.

Stipendienangebote

Viele Stipendienangebote werden von der Hochschule direkt vergeben. Betreuer können jedoch auch spezielle Stipendienprogramme für einen Kandidaten vorschlagen (z.B. ein Industriestipendium). Es ist daher ratsam den Wunschbetreuer zu kontaktieren und die Möglichkeiten zu erfragen. Mögliche Betreuer finden sich auf der Website der NUS Pharmazie. Die aktuelle Forschungsarbeit meiner eigenen Gruppe spiegelt sich in unseren Publikationen wider und verbindet Anwendungen aus Data science und Drug delivery.

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